Unsere Schule

Wie die bisherigen Erfahrungen zeigen, können viele junge, geflüchtete Menschen in den vorgesehenen schulischen Angeboten der Regelstruktur nicht bestehen. Ihnen fehlt oft die in den Regelschulen geforderte, altersgerechte Selbstverantwortung und Verbindlichkeit. Durch die meist lange Flucht haben die Jugendlichen zudem teilweise Verhaltensweisen angenommen, die für sie auf dem Fluchtweg vielleicht überlebensnotwendig waren, nun im Aufnahmeland hingegen wenig hilfreich sind. 

Sie müssen sich nun in der für sie fremden und oft unverständlichen Umgebung zuerst neu orientieren und adäquate Verhaltensweisen entwickeln. Dabei benötigen die Jugendlichen, die teilweise durch das Erlebte auch traumatisiert sind, dringend Unterstützung. Da die Eltern oft fehlen oder mit der neuen Situation selber stark gefordert sind, fehlt die entsprechende familiäre Unterstützung. 


In dieser Situation bietet das Projekt UMA- Leben und Lernen ein umfassendes Integrationsprogramm sowie eine Tagesstruktur für geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 - 21 Jahren an. Ziel ist, die jungen Menschen als Personen zu stärken und die Integration in die Gesellschaft und den Eintritt in die Berufsbildung und ins Berufsleben bestmöglich vorzubereiten. Dabei werden neben Deutsch und Mathematik verschiedenste Alltagskompetenzen vermittelt.

Um Vertrauen zu schaffen und das psychische Ankommen zu ermöglichen, ist eine umfassende Tagesstruktur mit verschiedenen Tätigkeiten nötig, mit Zusammenleben und Zusammenarbeiten in verschiedenen Kontexten, vor allem aber einer intensiven Betreuung. 


Ein breiter Mix aus Aktivitäten (wie Kochen, Gestalten, Basteln und Werken, Musik und Singen, Zeichnen und Malen, sportliche Betätigung) bietet jedem Jugendlichen die Chance, etwas zu finden, worin er Bestätigung findet, worauf man Motivation und Begeisterung aufbauen kann. Zudem werden unter diesem Titel «Alltagskompetenzen» auch Informationen aus den Bereichen Berufsleben, Gesundheit, Sucht, Sexualität, Gesellschaftskunde und öffentliche Sicherheit vermittelt. 

Alle diese Aktivitäten finden statt in einem Umfeld, in dem auf Seiten der Jugendlichen verschiedene Nationen und Geschlechter zusammenarbeiten, angeleitet von jungen und älteren Frauen und Männern mit einem weiten professionellen Hintergrund. Die Jugendlichen lernen so auch die Auseinandersetzung mit anderen soziokulturellen Kontexten in einer fast familiären Umgebung. 


Mit Schulklassen und Lehrpersonen von anderen Schulen aus dem Kantonsgebiet werden zudem regelmässig gemeinsame Projekte durchgeführt. Diese sozialen Kontakte mit Jugendlichen der Aufnahmegesellschaft sind für beide Seiten sehr wichtig. Für die Schüler/innen der UMA-Schule sind sie eine Chance, Beziehungen zu Einheimischen aufbauen und dadurch die Isolation als Asylsuchende aufzubrechen. 

Zur Zeit werden in der UMA-Schule in den Räumlichkeiten im Silo 2 an der Tellistrasse in Aarau bis zu 55 Jugendliche aus ca. 12 Nationen von etwa gleich vielen freiwilligen Helfer/innen an fünf Tagen in der Woche betreut. Diese freiwilligen Helfer/innen widmen sich mit viel Geduld, Engagement und einer beeindruckenden Palette von Kenntnissen den Jugendlichen - sie geben ihnen das Gefühl, als junge Menschen akzeptiert und unterstützt zu werden.


Alle Lehrpersonen sowie die Helfer/innen im Schulbetrieb arbeiten ehrenamtlich. Geleitet und koordiniert wird das Projekt UMA- Leben und Lernen durch ein dreiköpfiges, angestelltes Leitungsteam mit einem Gesamtpensum von 210 Stellenprozenten. Unterstützung leisten zudem zwei Zivildienstleistende und eine Praktikantin. Träger des Projekts ist der Verein Netzwerk Asyl Aargau.

Nachdem das Projekt UMA- Leben und Lernen in den ersten beiden Betriebsjahren ausschliesslich durch Spenden und Beiträge von Stiftungen finanziert wurde, trägt seit 2017 der Kanton Aargau mit Geldern aus dem Swisslos-Fond die UMA-Schule wesentlich mit. Diese Unterstützung läuft per 31. Juli 2020 aus.



Im Moment wird das Konzept des Projekts UMA-Leben und Lernen überarbeitet und an den Bedarf der vom Bund und Kanton als Folge des neuen Asylgesetzes lancierten «Asylagenda» angepasst. Dabei soll durch uns unter dem Projektnamen «Leben und Lernen» ab dem neuen Schuljahr 20/21 neben dem Schulangebot auch ein sozialpädagogisches Coaching für Schüler/innen der Regelstruktur angeboten werden.